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Erkrankungen des Beckenbodens.
Betroffen von anatomischen Veränderungen im Bereich des Beckenbodens sind meist Frauen, aber auch Männer können eine relevante und belastende Beckenbodenschwäche ausbilden. Die Symptome variieren stark. Sie reichen von verschiedenen Formen des Kontrollverlust für Urin über ein Druckgefühl im Beckenboden bis zu Stuhlentleerungsstörungen oder zunehmenden Verlust der Stuhlkontrolle. Typischerweise wechselt das Ausmaß der Symptome zu Beginn stark. Für die Patientin selbst feststellbare anatomische Veränderungen sind eine Vorwölbung der Scheidenhinterwand und, in einem fortgeschrittenen Stadium auch beim Mann, das Heraustreten des Mastdarms.
Die Beschwerden resultieren aus dem Nachgeben der Haltestrukturen der inneren Organe des Beckenbodens und dem Nachlassen des muskulären Beckenbodens. Die anatomischen Besonderheiten des weiblichen Beckenbodens und die zusätzliche Belastung durch Schwangerschaften und Entbindung erklären das gehäufte Vorkommen dieser Problematik bei Frauen. Offensichtlich spielt aber auch eine spezielle Veranlagung eine nicht unerhebliche Rolle. Bei der Beurteilung der vorliegenden Veränderungen wird der Beckenboden in ein vorderes (Harnblase), mittleres (Scheide und Gebärmutter) und hinteres (Mastdarm) Kompartiment unterteilt, welche in unterschiedlichem Ausmaß, meist aber kombiniert, betroffen sein können. Bei Männern ist, entsprechend ihrer Anatomie, nur das hintere Kompartiment betroffen.
Vor jeder Therapie steht eine sorgfältige Analyse des vorliegenden Erkrankungsausmaßes. Dies beginnt mit einer ausführlichen Anamnese ergänzt durch die klinische Untersuchung des Beckenbodens. In der Regel bedarf es darüber hinaus weiterer fachärztliche Untersuchungen. Erst nach Zusammenschau aller Befunde sollte das weitere Therapiekonzept festgelegt werden. Dabei reicht das Behandlungsspektrum von einer unterstützenden Stuhlregulation oder Entleerungshilfe über Beckenbodengymnastik bis zu operativen urogynäkologischen und/oder viszerachirurgischen Operationsverfahren mit dem Ziel der Rekonstruktion der anatomischen Strukturen.
Gerade in diesem Bereich ist eine fundierte Kenntnis der besonderen anatomischen Struktur und Funktion der Beckenbodenorgane einschließlich der im Rahmen der modernen Medizin sich ständig weiter entwickelnden mannigfaltigen Therapieoptionen von erheblicher Bedeutung. Gefordert ist hier ein interdisziplinäres Vorgehen sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Entscheidung des therapeutischen Vorgehens in enger Zusammenarbeit mit den Hausärzten, Gynäkologen und in diesem Bereich erfahrenen Chirurgen.